Psychische Stabilität in herausfordernden Zeiten
Wir leben in einer bewegten Zeit, in der sich die Nachrichtenlage zu überschlagen scheint. Viele Menschen fühlen sich durch die Flut der negativen Schlagzeilen bedroht und entwickeln stressbedingte Beschwerden, Depressionen und Angststörungen. Ein Team aus Psychologen der Charite in Berlin und der Technischen Universität in Chemnitz hat ein neues Therapieverfahren entwickelt, das auf dem achtfachen Weg des Yogas basiert. Dieses Mind-Body-Programm besteht nicht nur aus Meditationen, sanften Asanas und Atemübungen, sondern die Patienten setzen sich auch ganz gezielt mit den lebensethischen Prinzipien des Yogas sowie des spirituellen Aspekten eines gesunden Lebensstils auseinander. Darüber hinaus folgen sie Empfehlungen der ayurvedischen Medizin zur Ernährungsweise und einem gesunden Biorhythmus. Ein ganzheitliches Programm, das seine positive Wirkung auf Betroffene so deutlich gezeigt hat, dass es mit dem Holzschuh-Preis für Komplementärmedizin ausgezeichnet worden ist.
Corona, Krieg und Klimakrise: Die aktuelle Weltlage verunsichert viele Menschen und trägt dazu bei, dass psychische und stressassoziierte Erkrankungen immer mehr zunehmen. Umso dringender werden effektive aber kostenschonende Behandlungen benötigt, die möglichst keine oder kaum Nebenwirkungen zeigen. Da wecken integrative Konzepte wie die Mind-Body-Medizin immer mehr Interesse. Ihre Methoden wie Yoga und Meditation sind in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus der wissenschaftlichen Forschung gerückt. Mittlerweile gibt es hunderte Studien, die deren heilen Wirkung auf Psyche und Körper belegen. Yoga ist sogar zur bestuntersuchten Methode der Komplementärmedizin avanciert. Während Yoga und Meditation in Indien bei psychischen Erkrankungen schon seit Jahrhunderten zum Einsatz kommen, haben die östlichen Praktiken jetzt auch in der westlichen Welt den Weg in die klinische Praxis gefunden. Oft sind sie Bestandteil einer modernen Psychotherapie. Auch Dr. Holger Bringmann, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Arzt für Naturheilverfahren, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Yoga und Meditation – als Forscher an der Charité Universitätsmedizin in Berlin und als Oberarzt an der Klinik für Integrative Psychiatrie der Diakoniekliniken Zschadraß in Sachsen. Dort fing er 2017 an, spirituelle Mantra-Meditation als klinischer Psychiater in seine Therapie zu integrieren. „Mantra-Meditation hat den Vorteil, dass sie grundsätzlich leicht zu erlernen ist“, erklärt Bringmann. „Sie ermöglicht aber auch den Zugang zu einer großen spirituellen Tiefe.“ Nicht ohne Grund sei sie in fast jeder Kultur dieser Welt zu finden – auch wenn die Wissenschaft der Mantra-Meditation nur in der altindischen Kultur detailliert beschrieben sei.